Kaffee. Großer Kaffee.

rhino tracking damaralandVor unserem Abflug hatte ich ein Magazin in der Hand – mattglänzend, mindestens 170g-Papier und mit einem Bild vom Damaraland auf einer Doppelseite. Aufgenommen aus einem Flugzeug. „Da will ich hin“ sag ich zu Ruben und mach einen fettigen Fingerabdruck mitten auf das Edelpapier, weil ich gerade ein Magnum esse. An diesem Morgen im September als wir Richtung Damaraland aufbrechen denk ich wieder daran. Nicht nur, weil die Region jetzt direkt vor uns liegt. Auch, weil ich ein Magnum will. Es ist sauheiß hier und gibt keinen Strom.

Mit dem Damaraland ist es so eine Sache: Man findet hier die wahrscheinlich schönsten Lodges in ganz Namibia und so überlege ich, spontan die Autos zu verkaufen und mit einem Koffer voller Bargeld zu einer dieser Freiluftbadewannen von Wilderness Safaris durchzubrennen. Während ich ein Schaumbad nehme, paaren sich am Horizont die letzten zwei Exemplare irgendeiner seltenen Spezies und ich stoße mit Schampus drauf an. Blöd nur, dass ich niemanden zum anstoßen hab, denn selbst für den Wert zweier SUVs kann ich maximal ein Einzelzimmer bezahlen.

Aber dann kommt die Grootberg Lodge. Gebaut am schönsten Fleck des ganzen Landes, von der Dorfgemeinschaft betrieben und für unter 3.000 namibische Dollar die Nacht. Perfekt. Der Grootberg ragt knapp 1.600 Meter über den Meeresspiegel und überblickt ein weites Tal, in dem Nashörner, Elefanten und Giraffen leben. Direkt an der Talkante hängt ein Infinity Pool (klingt dekadent, ist es aber nicht) und wenn man es morgens vor 5 aus dem Bett schafft, kann man den Ranger zum Rhino Tracking begleiten. Wenn man deshalb mittags ein extra Schläfchen braucht, holt man das einfach am Pool nach. Oder man stellt fest, dass man jetzt etwa vier Stunden den wohl besten Ausblick seines Lebens hat, bestellt sich einen großen Kaffee, sitzt wach am Pool und sieht ein kleines bisschen aus wie ein Zombie.

Zur Grootberg Lodge gehört auch ein Campsite, der etwa 10 Kilometer entfernt liegt und aussieht, als seien die Feuersteins hier gedreht worden. Überall liegen große runde Felsbrocken und ich rechne jeden Moment damit, dass Betty und Barney Geröllheimer den Stellplatz neben uns beziehen. Bei Sonnenuntergang klettern wir auf einen der Steinhaufen und köpfen endlich die Flasche Champagner, die all the way aus Deutschland mit uns mitgereist ist (klingt dekadent, ist es dieses Mal auch). Yabba Dabba Doo! Und apropos Felsbrocken: An diesem Abend backe ich das erste essbare Brot in unserem gusseisernen Topf. Das Brot vom ersten Versuch erinnerte mehr an einen Meteoriten oder sonst irgendwas Dunkles aus Stein. Bei Brot zwei muss man nur ein bisschen Verkohltes abkratzen, dann ist es echt fein.

Aber zurück zum Rhino Tracking: Bevor die Sonne aufgeht werden wir in zwei Gruppen eingeteilt. Wir erwischen den „lustigen“ Guide und während ich langsam aufwache, donnern wir in einem langgezogenen Safarijeep den Grootberg Pass runter. Wir fahren eine oder zwei Stunden, vorbei an einem LKW, der schon seit drei Tagen am Pass festhängt und auf einen Mechaniker wartet. Vorbei an giftigen Wolfsmilchbüschen und hinein in ein dunkles Tal. Wir werden immer langsamer. Unser Auto ist das vordere und ich freu mich schon, dass ich jedes einzelne Tier heute vor der Seniorentruppe im hinteren Jeep entdecken werde. Nach einer Weile halten wir an. Einer der Guides hat Fußadrücke entdeckt, die einem Spitzmaulnashorn gehören. Ich bin bereit. Das Nashorn nicht. Wir steigen wieder ein und fahren weiter. So geht das ein paar Mal und der Ranger erklärt, dass es auch gut sein kann, dass wir gar keine Nashörner sehen. Ich bin mir sicher, dass das Teil der Dramaturgie ist, denn beim nächsten Stop sind die Spuren richtig gut. So gut, dass alle aussteigen und wir die Reise nach einer kurzen Sicherheitseinweisung zu Fuß fortsetzen. Die Rhinos sind jetzt ganz nah. Wenn man einem begegnet, soll man sich nicht bewegen und ruhig bleiben. Bewegt sich das Nashorn aber auf einen zu, dann geht man in Deckung – hinter den nächsten Baumstamm oder Felsen. „Interessant“, denk ich. Nicht, dass ich vorgehabt hätte, das Nashorn zu tacklen wie beim Football. Ich hätte nur keine so einfache Lösung erwartet. Aber jetzt bin ich ja vorbereitet und wir ziehen los. Um die Nashörner nicht zu verschrecken, dürfen wir ab jetzt nicht mehr reden. Eine aus unserer Gruppe redet trotzdem immer wieder und ich freu mich später ziemlich, als sie ein Stückchen Kacke aufhebt, das sie für einen schönen Stein hält.

Als die beiden Jeeps schon eine Weile außer Sichtweite sind erreichen wir eine Anhöhe und der Ranger gibt uns ein Handzeichen. Alle halten an. Etwa dreißig Meter vor uns steht eine Nashornkuh mit ihrem Kalb. Für ein paar Minuten stehen wir einfach still da und beobachten die beiden. Der Ranger flüstert uns zu, dass die Kleine Hanny heißt. Den Namen der Mutter flüstert er auch, den vergess ich allerdings. Dann geht alles ganz schnell: Es klingt wie ein donnern, der Boden wackelt ein bisschen und plötzlich stehen drei Rhinos dort, wo gerade noch zwei waren. Das neue, Alex, ist ein Männchen und Hannys Mum wird jetzt richtig sauer. Ich schau mich um. Natürlich kein Baum weit und breit. Armer Alex.

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Giraffe. Gehört nicht zu unserer Gruppe, nimmt aber den gleichen Weg.

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„In Sesfontein können wir anhalten, da gibts nen Supermarkt.“

 

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