In der Salzpfanne isst man Blechkuchen: Der Etosha Nationalpark.

Etosha Namibia Salzpfanne

Nach einer großartigen Zeit verlassen wir Botswana in Richtung Namibia. Mit quietschenden Reifen und auf der Flucht vor der Polizei. Das liegt daran, dass der korrupte Grenzbeamte Strafgebühren erfindet, die er mir – ich zitiere – „gern schwarz auf weiß zeigen kann“. Steilvorlage. Darauf bestehe ich dann natürlich. Als er nach zehn Minuten immernoch sein Gesetzbuch nach etwas passendem durchsucht lassen wir es drauf ankommen, springen in die Autos und brettern davon. Innerhalb einer Woche vor einem Hyänenrudel UND der Polizei fliehen: kann man schon mal machen.

In Namibia ist unser erstes Ziel die River Dance Lodge an der Grenze zu Angola. Wir haben für eine Nacht reserviert und bleiben zwei, weil es so schön ist. Die Lodge hat nur Platz für etwa zehn Gäste. Das ganze Obst und Gemüse fürs Abendessen bauen sie selbst an, alle Angestellten kommen aus den umliegenden Dörfern und die Anlage ist wunderschön. Ein Doppelzimmer besteht aus einer Schlafvilla, einem eigenen Badehaus daneben und einer großen Terrasse mit Blick auf den Okavango River. Die einzelnen Häuser stehen so weit auseinander, dass man den ganzen Tag nackt auf der Terrasse sitzen und Rotwein trinken kann, während man Paulo Coelho liest. (Das ist so natürlich nie passiert. Ich hatte eine Bikinihose an.)

Aus der Abgeschiedenheit der River Dance Lodge begeben wir uns direkt in das touristische Epizentrum Namibias: den Etosha Nationalpark. Wobei „direkt“ nicht für alle zutrifft. Das andere Auto will unterwegs noch einen Abstecher zum Meteorit „Hoba“ (= großer, alter Steinbrocken) machen. Ruben und ich finden den allerdings stinklangweilig und kündigen großspurig an, dass die Zeit dafür ja kaum reichen würde, wenn wir noch im hellen am Etosha ankommen und einen der begehrten Zeltplätze sichern wollen. Wir sind aber so nett, schonmal vorzufahren und einen Stellplatz klarzumachen. Am Ende sind wir neben einem alten Nazi-Großwildjäger die einzigen Besucher auf dem Platz und das andere Auto trifft eine halbe Stunde nach uns ein. (Naja, so toll kann der Steinbrocken dann ja auch nicht gewesen sein…)

Am nächsten Morgen rollen wir bei Sonnenaufgang am Von Lindequist Gate in den Park. Als eines der ersten Autos an diesem Tag befahren wir die Schotterpiste in Richtung Etosha-Pfanne. Man könnte meinen, ich betreibe eine Küchenseite, so oft wie ich hier „Pfanne“ schreib. Die im Etosha ist jedenfalls wieder eine Salzpfanne und gegen Ende der Trockenzeit ist die Landschaft am Rand der Pfanne komplett mit einer weißen Schicht überzogen. Als hätte einer die Elefanten gezuckert. Oder eher gesalzen. Zur Mittagszeit steht die Sonne genau über uns und die Tiere liegen im Schatten. Zeit für eine Pause. Wir steuern das Camp Halali an – was man sich aber ehrlich gesagt sparen kann. Eine Oase für Kaffeefahrer, mit Heißgetränken und Blechkuchen, vermutlich nach deutschem Rezept. Müsste ich eine Wortwolke für das Camp Halali füllen, wäre sie etwa so: Staub, Zebraherde, Touribus, Teleobjektiv, Schweinshaxe, Trekkingstiefel. Wir schalten die Klimaanlage in unseren Jeeps hoch und fahren weiter.

An dieser Stelle suche ich nach einem passenden Titel für diesen Text und fasse einfach mal zusammen: „Korrupte Polizisten, nackte Haut und Treckingstiefel.“ Hmm. Vielleicht schreib ich einfach „Etosha“ drüber.

Seit 2014 ist auch die westliche Hälfte des Parks für Besucher offen und der Abstecher lohnt sich, denn die organisierten Touren konzentrieren sich noch auf die alte Strecke. In der östlichen Parkhälfte sind uns an einem Tag etwa 100 Autos begegnet. In der westlichen keine zehn. Das heißt allerdings auch, dass die Pisten dort weniger ausgebaut sind. Deshalb sind wir nach unserem Etosha-Besuch spät dran und kommen auf der kaum befahrenen Straße nach Opuwo in die Dunkelheit. Wenn es eine Regel für Selbstfahrer in Namibia gibt, dann die: Nie im Dunkeln fahren. Denn neben und auf der Straße liegen Kühe und im Dunkeln sieht man sie oft erst zu spät. Auftritt Rubens 2. genialer Einfall dieser Reise (nach der Hyänenabwehr): Wir warten am Straßenrand bis ein Laster vorbeikommt, der viel besseres Licht hat und Windschatten gegen die Kühe gibt. Als der erste LKW kommt und wir zackig hinter ihm einscheren fühl ich mich wie in einem Agentenfilm. Der Lasterfahrer fühlt sich blöderweise genauso, denkt, dass wir ihn überfallen wollen und fährt nach ein paar Meilen selbst links ran und lässt uns überholen. Kaum türmt man einmal vor der Polizei, halten einen alle für einen Verbrecher. Aber wir haben Glück: Der nächste Laster kommt kurz darauf und zieht uns bis fast nach Opuwo mit. Das letzte Stück schaffen wir ganz allein und sind dann im wahrsten Sinne des Wortes angekommen – Opuwo heißt nämlich in der Stammessprache der Himba „das Ende“. In dem Sinne: Opuwo gut, alles gut.

Namibia Etosha Zebras auf der StraßeNamibia Etosha StraußNamibia Etosha KuhantilopeEtosha Namibia GiraffeNamibia Etosha GiraffeNamibia Etosha Impala schwarze NaseNamibia Etosha WildhundeNamibia Etosha WildhundNamibia Etosha AntilopenNamibia Etosha Löwe am WasserlochEtosha Elefanten in der TrockenzeitEtosha Elefant in SalzpfanneNamibia Etosha Zebra am StraßenrandNamibia Etosha Zebras

4 thoughts on “In der Salzpfanne isst man Blechkuchen: Der Etosha Nationalpark.

  • Atemberaubend und sehr ausführlich beschrieben.
    Ich bin begeistert! Da möchte ich auch mal sehr gerne hin, aber erstmal die anderen Reiseziele verfolgen: Norwegen, Thailand, Kambodscha, Philippinen, Griechenland… Oh das schaffe ich dieses Jahr alles nicht mehr haha 😀
    Liebe Grüße,
    Mai von Monpipit.de

    xox

    • Dankeschön, liebe Mai! Ja, bisschen viel für dieses Jahr, also schnell los 😉

      Viele Grüße & schick mir Tipps, wenn du es nach Norwegen schaffst – da hätt ich auch so richtig Lust drauf!

      Jocy

  • Da sind wirklich wunderschöne Bilder. Afrika steht ja auch ganz oben auf meiner Reise To-Do-Liste. Wohin ich da aber zuerst soll, weiß ich noch nicht. Südafrika reizt mich auch sehr. 🙂

    Herzlich,
    Anna

    • Vielen Dank, liebe Anna! Namibia und Botswana kann ich absolut empfehlen, sonst kenn ich von Afrika leider auch noch nichts. Tansania würde mich auch mal reizen oder Kenia.

      Hab übrigens gerade erst deine Rom-Tipps verschlungen. Das ist gerade mein nächstes Ziel!

      Schöne Grüße
      Jocy

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