Okavango Delta

Botswana Okavango Delta Elefanten

Wenn ich von meinem Platz im Flugzeug aus nach unten schaue und was dunkles entdecke, kann das ein Elefant, Wasserbüffel oder Nashorn sein. Wenn ich von meinem Platz im Flugzeug aus nach vorne schaue und was entdecke, das grün im Gesicht ist, dann ist das Karin. Wir sitzen zu fünft in einer Propellermaschine und haben gerade den Buffalo Fence überflogen, der die Safari-Hauptstadt Maun vom Okavangodelta trennt – dem größten Binnendelta der Welt. Man kann es sogar vom Weltall aus sehen. Es ruckelt, es ist laut und wir finden es fabelhaft (naja, alle außer Karin vielleicht).

Als die ersten Elefantenherden und Giraffen unter uns vorbeiziehen, muss ich fast ein bisschen heulen, so fasziniert bin ich. Ich sitz zwar in der letzten (= zweiten) Reihe des Fliegers, vermute aber, dass man mich hören könnte. Also reiß ich mich zusammen und konzentrier mich darauf, möglichst viele Tiere als erster aus unserer Gruppe zu entdecken (so macht man sich richtig beliebt bei Safaritouristen). Um ehrlich zu sein entdeckt der Pilot noch ein paar mehr als ich, aber der sitzt ja auch vorn und hat die bessere Sicht. Solider zweiter Platz für mich. Hörsturz für Ruben, der neben mir sitzt.

Abgesehen vom Flug über das Delta nutzen wir die Tage in Maun, um unsere Vorräte aufzufüllen (wir sind nämlich mit Jeep und Dachzelt unterwegs) und in der Hängematte zu liegen. Außerdem machen wir eine Sunset Cruise, die sich als Vogelbeobachtungstour entpuppt. Das Okavangodelta ist eine der tierreichsten Regionen Afrikas. „Die lustige Welt der Tiere“ wurde hier gedreht. Und ich starre einen Bussard an.

Wir müssen tiefer ins Delta rein, wenn wir größere Tiere aus der Nähe sehen wollen. Das Delta besteht zum Großteil aus dem Moremi Game Reserve, einem Naturschutzgebiet. Laut Reiseführer gibt es nur drei Campsites im Reservat und man soll etwa ein halbes Jahr im Voraus seinen Stellplatz reservieren. Wir haben acht Stunden. Nach der Bussard-Erfahrung von gestern bin ich bereit, jeden Preis zu bezahlen und mit ein bisschen von A nach B nach C abklappern kriegen wir tatsächlich einen Stellplatz für eine Nacht am Campsite North Gate. 50 Euro pro Person später sind wir drin. Klingt wie Schmiergeld, ist aber einfach der Preis für den Campsite. Botswana ist ne teure Ecke.

Am Eingang zum Moremi kaufen wir eine Karte, in der die wenigen Pisten durch das Reservat eingezeichnet sind. Ich navigiere und wir fahren ziemlich weit, Ruben sagt „verfahren“, aber ich finde, so bekommt man richtig was fürs Geld. Am Ende schaffen wir es knapp vor Sonnenuntergang auf den Campsite, schlagen unsere Zelte auf und machen Feuer. Denn jeder weiß ja, dass Tiere das Feuer meiden. Wir freuen uns auch, dass die zwei Stellplätze neben uns nicht besetzt sind und wir daher ganz abgeschieden von der Handvoll anderen Menschen hier sind. Während wir uns also freuen und die Zelte aufschlagen und das erste Bier aufmachen, raschelt was am Auto. Ich denk schon, dass der beknackte Bussard uns gefolgt ist, lins mit der Stirnlampe am Auto vorbei und zwei Meter vor uns steht ein ausgewachsener Elefant! Wir zwei direkt gegenüber voneinander. Einer von uns beiden dreht sich ruhig zur Seite und trottet weg, der andere rastet extrem ein bisschen vor Freude aus. Wer wer ist, werd ich nicht verraten.

Zehn Minuten später sitzen vier Honigkuchenpferde vor den Autos am Feuer. Wir erzählen uns zum zehnten Mal „die Elefantengeschichte“ und jeder gibt zum Besten, wie er reagieren würde, falls es auf der Reise mal richtig brenzlig werden sollte, mit all den wilden Tieren und so, als ich nach rechts schaue und etwas großes genau auf uns zuläuft. Ich schreie, die anderen brüllen das Tier an, springen hoch und alle fuchteln mit den Händen. Drei Meter vor uns dreht eine Hyäne (!) seelenruhig ab und trottet wieder davon. Wir wissen jetzt: Feuer hält Tiere nur mittelgut ab. Und Hyänen sind in echt viel größer als im Zoo. Geht schon Richtung Löwin. Die Aufregung ist groß, jeder braucht erstmal einen Whisky (ok, eigentlich nur ich), aber wir haben etwas Einmaliges erlebt. Gegen „die Hyänengeschichte“ ist die Elefantengeschichte ein Witz. Man könnte sagen, die Ereignisse überschlagen sich an diesem Abend auf dem North Gate Campsite (an dem ich übrigens schon wieder direkt hinter das Auto pinkeln musste, dieses Mal aber aus Sicherheitsgründen). Man könnte auch sagen: Einmalig ist das falsche Wort. Keine halbe Stunde später ist die Hyäne wieder da und lehnt sich ganz dreist über die Heckklappe in eines der Autos, um unsere Eier zu klauen. Meine Knie zittern zum ersten Mal im Leben vor Angst. Gleichzeitig kann ich nicht aufhören zu grinsen. Gut, dass ich erst nach der Reise gelesen hab, wieviele Menschen von Hyänen getötet werden.

Nochmal fünf Minuten später jault es ganz laut und im Halbkreis formiert sich ein Hyänenrudel um unseren Platz. Karin greift sich einen brennenden Stock, Ruben und Hack brüllen und werfen große Steine nach den Tieren. Ich versteck mich hinter der Gruppe und filme mit dem Handy. Faire Rollenverteilung, wie ich finde. Jetzt wissen wir: 1. Steine bringen mehr als Feuer. 2. Campsite 8 und 9 sind von einem Hyänenrudel mit hungrigen Jungtieren belegt. Kurz darauf hören wir, wie die Hyänen ein Warzenschwein reißen und wir haben Ruhe. Wir klettern ins Zelt und machen die Seitenschlitze zum beobachten ein Stück auf. Keine zwei Minuten später ist unser Stellplatz voll mit Hyänen, die nach Essensresten suchen. Nach der ganzen Action falle ich kurz drauf in Tiefschlaf. Generell schlafe ich in Afrika unglaublich gut. In der ganzen Zeit bin ich nur ein einziges Mal um vier nachts aufgewacht und musste pinkeln. Mag irgendwer raten, welche Nacht das natürlich war?

Ein paar Infos, die über wild pinkeln und Steine werfen hinaus gehen, hab ich auch:

eat → Kein Fleisch, das darf nämlich nicht mit rein in Nationalparks. Ansonsten in Botswana: Fleisch. Botswana ist zwar teuer, hat aber die günstigsten Rindfleischpreise der Welt. Ein Kilo Rinderfilet kostet umgerechnet vier Euro.

drink → Dosenbier, Farmdudler und Savanna Dry

stay → In Maun direkt am Fluss campen bei Drifters oder bei der Island Safari Lodge. Im Moremi Game Reserve gibt es drei Campsites: Third Bridge, Xakanaxa und North Gate. Alle drei haben keine Zäune, d.h. Elefanten, Löwen usw. laufen auch mal zwischen den Zelten durch. In der Hauptsaison drei, vier Monate vorher buchen!

drive → Durch das Moremi Game Reserve. Ohne gebuchte Übernachtung kann man auch am South Gate rein, einmal durchfahren und vor Einbruch der Dunkelheit am North Gate wieder raus. Dafür aber mindestens sechs bis sieben Stunden einplanen.

fly → Mack Air würde ich sofort wieder für den Rundflug über das Delta buchen. Rundflüge machen übrigens nur früh am Morgen Sinn, da die Herden dann durch das Delta ziehen.

see → Elefanten, Nashörner, Wasserbüffel, Giraffen, Nilpferde, Zebras, Antilopen, Affen (die übrigens Zelte aufmachen gelernt haben, also keine Wertsachen drin lassen), Hyänen und Vögel

listen → Am besten gar nix, Lärm verschreckt nur die Tiere. Falls doch, dann Hakuna Matata.

Bis Ende März läuft auf http://1thingtodo.de/slow-travel-blogparade/ noch eine fabelhafte (hoff ich zumindest) Blogparade. Und obwohl die beiden Herrn von 1 THING TO DO Listen hassen, bin ich so dreist, das unter der Liste dort oben zu schreiben. Vermutlich wird mein Link gelöscht und ich werde gebeten, das Internet zu verlassen.

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