Selten, seltener, Wüstenelefant

Kaokoveld NamibiaWir befinden uns auf dem Weg nach Mos Eisley. Han Solo und ich schweben im Raumschiff ein um an der Seite der Jedi-Ritter für Frieden in der Galaxie zu kämpfen. Ok gelogen, das ist der Plot von Star Wars. In Wahrheit sitzen wir in einem Toyota Hilux und das vor uns sind die letzten Ausläufer der Namibwüste. Aber es fühlt sich an, als hätten wir den Planeten verlassen. Mehrere Stunden fahren wir durch die unberührte Wüstenlandschaft im Kaokoveld ohne Wasser, Tiere oder Menschen zu sehen. Unser Ziel sind die Wüstenelefanten im Hoanib-Trockenfluss bei Purros. Und wir müssen sowieso Richtung Süden.

In Afrika gibt es noch zwei Populationen von Wüstenelefanten. Eine kleine in Mali und eine hier am Rand der Skelettküste. Insgesamt nur 600 Tiere. Obwohl wir am Ende der Trockenzeit da sind führt ein kleiner Fluss in der Nähe noch Wasser. Wenn man Wüstenelefant ist sind solche Wasseradern wie ein 6er im Lotto und das Elefanten-Ich legt gut mal 70 Kilometer am Tag zurück um daraus zu trinken. Das Menschen-Ich würde nicht mal 70 Kilometer laufen, wenn dieses Wasser dadurch zu Wein werden würde und ist beeindruckt.

Eine Weile später erreichen wir laut GPS-Daten den Hoanib. Das Flusstal ist vollständig ausgetrocknet und dient uns als Straße. Wer cool ist, sagt dazu „die Autobahn der Wüstenelefanten“. Wir sind cool. Blöderweise bin ich mit fahren dran. Wir sehen wahrscheinlich gleich eine der seltensten Spezies der Welt und ich bin damit beschäftigt, keine Schrammen ins Raumschiff zu fahren. Super. Ich schau einfach trotzdem aus dem Fenster, mit Gegenverkehr braucht man hier nicht rechnen.

Wo Elefantenhaufen sind, da sind auch Elefanten. Wir trauen uns nur noch in Schrittgeschwindigkeit voran. Im Raumschiff wird maximal noch geflüstert und das andere Auto haben wir zwischenzeitlich auch verloren (man kann nicht nach allem schauen!). Ein paar Giraffen laufen vorbei. Auch davon gibt es also eine Wüstenversion. Ich überlege kurz, ob die Giraffen solche Riesenhaufen machen, verwerfe den Gedanken aber ziemlich verstört wieder. Und plötzlich sind sie da: zwei Wüstenelefanten, etwa zwanzig Meter rechts von uns. Wer sie zuerst entdeckt weiß ich gar nicht mehr (vermutlich ich). Sie sind etwas kleiner als normale Elefanten, dafür mit größeren Füßen und im Verhältnis längeren Beinen. Und sie scheinen sich von uns kein bisschen gestört zu fühlen. Ab da sehen wir gleich mehrere Elefantenfamilien – meistens nur eine Kuh mit ein, zwei Kälbern. Große Herden gibt es bei den Wüstenelefanten nicht. Verständlich. Hätte ich mühsam eine Wasserader aufgespürt, hätt ich auch keine Lust, mit der ganzen Bagage zu teilen.

Die Zeit schrieb vor ein paar Jahren einen Artikel über Wüstenelefanten. Welche zu finden gleiche eher einer Schatzsuche als der Großwild-Beschau in den Nationalparks. Was sie dabei nicht erwähnt haben: Im Gegensatz zum Nationalpark ist man in der Wüste auch noch völlig allein mit den grauen Klopsen. Für mich eine der schönsten Erfahrungen unserer Reise.

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2 thoughts on “Selten, seltener, Wüstenelefant

    • Liebe Claudia,

      da werd ich jetzt ganz rot. Vielen Dank für das liebe Kompliment! Weißt du, was witzig ist? Einer meiner ersten Urlaube als Kind war in Meran Obermais. In einer Pension mit einem Schäferhund namens Kim, vor dem ich ziemlich Schiss hatte 😀

      Ganz viele liebe Grüße
      Jocy

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