How bizarre, how bizarre… Wie ich den Sossusvlei hassen wollte und lieben lernte.

Dead Vlei_Sossusvlei_PanLange Zeit hielt ich den Etosha Nationalpark für das touristische Epizentrum Namibias. Dann fuhren wir nach Sossusvlei. Doch nach Sossusvlei fährt man nicht einfach. Genau genommen lauert man eine Nacht vor den Toren der Namibwüste, um dann bei Toröffnung morgens um 6 mit allem, was der Mietwagen hergibt, zum Deadvlei zu brettern. a) will man vor Sonnenaufgang da sein, um der Hitze zu entfliehen und b) will man vor den anderen Touristen da sein, was vermutlich dazu führt, dass alle morgens um 6 durch die Wüste knattern und um 10 Uhr irgendein schlauer Kerl glücklich und mutterseelenallein genau dort sitzt. Außerdem ist eine Reise bekanntermaßen nur dann ein Abenteuer, wenn mindestens eine Aktivität vor Sonnenaufgang beginnt – Vulkanwandern auf Bali, der Tokyoter Fischmarkt. Selbst schippern auf dem Canale Grande klingt gleich viel weniger nach Pauschalreise, wenn man es ganz früh morgens macht. Anyway: Wir also um 6 ganz vorn dabei.

Den Abend zuvor haben wir bei einem afrikanischen Braai im Hotel nebenan verbracht und es gab zum ersten Mal seit Wochen anderen Alkohol als Dosenbier. Es gab Wild und Gemüse und Saucen so weit das Auge reicht. Eine kulinarische Fata Morgana, nur eben echt. In der Nacht liege ich im Dachzelt wie auf einer afrikanischen Chaiselongue. Satt und dekadent throne ich einen Meter fünfzig über der Szenerie (= dem Toilettenhäuschen nebenan, da nur noch ein Not-Stellplatz auf dem Campsite frei war. Am Sossusvlei ist immer Hochsaison.).

5:30 Uhr, der Wecker klingelt. Die Wüste lebt, ich noch nicht. Zwischen Tages- und Nachttemperatur liegen am Rand der Namib gute 30 Grad. Wer bei normalen Temperaturen schon schwer aus dem Bett kommt (hallo, ich!), kann sich nur mit der Vorfreude auf scharf geschnittene, karminrote Dünen aus dem Zelt schälen. Rund 60 Kilometer liegen zwischen dem Campsite am Eingang des Namib-Naukluft-Parks und Deadvlei, einem Wald aus Akazienbäumen, der seit 500 Jahren kein Wasser mehr gesehen hat und auf surreale Weise versteinert wirkt. Die letzten zwei Kilometer müssen zu Fuß zurückgelegt werden.

Sossusvlei ist bekannt für die höchsten Dünen der Welt. Eine davon steht direkt am Deadvlei. Kurz nach 6 trägt sie noch eine scharfe Kante, die erst wenige Fußpaare zertrampelt haben. Der Aufstieg dauert keine 15 Minuten und der Ausblick von oben ist einfach atemberaubend. Runter geht es noch schneller: Wer rennt überschlägt sich nach wenigen Schritten im weichen Sand ohnehin und rollt einfach (mehr oder weniger) sanft ins Tal. Das Verblüffende kommt unten: Es ist tatsächlich noch ruhig im Deadvlei. Und genau auf die richtige Art kühl.

Mit Orten, die man schon seit Jahren von Bildern kennt, ist es so eine Sache. Ist man mal in der Nähe, kann man einerseits nicht nicht hingehen. Andererseits sind sie in echt oft enttäuschend. Die meisten stellt man sich größer vor. Wer einmal im Louvre vor der Mona Lisa stand weiß was ich meine. Das Deadvlei ist auch viel kleiner als in meiner Vorstellung. Vielleicht 500 Meter im Durchmesser. Aber gleichzeitig auch noch bizarrer und schöner als auf sämtlichen Bildern. Allen Klischees zum Trotz kann ich nicht anders, als das Deadvlei umwerfend zu finden.

Und dann, auf dem Rückweg zum Auto, kommen sie uns doch noch entgegen – die Scharen von tragbaren Sonnenschirmen, Fotostativen und persönlichen Guides. Vor Sonnenaufgang ist eben immernoch nach dem kontinentalen Frühstücksbuffet, Abenteuerrreise hin oder her.

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